Online-Gottesdienste und interreligiöser Dialog: Ein Kirchenkreis im stetigen Wandel

Landtagsabgeordneter Max Schad im Gespräch mit Dekan Dr. Martin Lückhoff

Die Aufgaben des Kirchenkreises Hanau sind breit gefächert und betreffen die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Zu einem Gedankenaustausch über aktuelle Themen traf sich der CDU-Landtagsabgeordnete Max Schad mit Dekan Dr. Martin Lückhoff.

Unter anderem ging es dabei um die Arbeit der Notfallseesorge, die Teil der Dienstpflicht eines jeden Pfarrers und jeder Pfarrerin ist. Allein 20 Alarmierungen gab es im vergangenen Monat. Die Pfarrerinnen und Pfarrer überbringen Todesnachrichten, begleiten Angehörige und kümmern sich gemeinsam mit den Rettungskräften um die Beteiligten z.B. nach einem schweren Unfall.

Ein weiteres Thema war der Wandel der Bestattungskultur. Nur noch 20 Prozent der Bestattungen seien klassische Erdbestattungen, berichtete Lückhoff. Ein Grund hierfür sei der Rückgang klassischer Familienmodelle. Angehörige lebten oft weit verstreut. Feuerbestattungen seien besser planbar und günstiger – denn auch das sei ein Argument für viele, die ihren Angehörigen nach dem Tod finanziell nicht „zur Last“ fallen wollen. Dekan Lückhoff beobachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Aus Sicht des Dekans fehlt den Hinterbliebenen oft ein Ort zum Trauern, was diesen aber erst viel später bewusst werde. Insgesamt werde der Umgang mit dem Tod leider weiterhin zu stark tabuisiert. 

Insgesamt sei die Arbeit des Kirchenkreiseseinem enormen Wandel unterworfen, bemerkte Lückhoff. Immer mehr Aufgaben würden von den Kirchengemeinden zum Kirchenkreis verlagert. Der Kirchenkreis müsse auch immer mehr finanzielle Belastungen stemmen, die vor allem aus dem Sanierungsbedarf der Kirchen und anderen Gebäuden der Gemeinde resultieren. Gleichzeitig möchten die Gemeinden ihre Autonomie bewahren. Seine Aufgabe als Dekan sei es dabei, unterschiedliche Interessen zusammenbringen und zukunftsfähige Strukturen zu schaffen, so Lückhoff weiter. 

Das Thema Corona habe auch das Gemeindeleben vor Ort stark beeinflusst. Während der Lockdown-Phasen gab es Internetgottesdienste, die Aktivitäten auf Social Media wurden ausgebaut, Freiluftgottesdienste und Taufen wurden im Garten wurden durchgeführt. Diese Angebote seien sehr gut angenommen worden. „Teilweise wurden sogar mehr Gemeindemitglieder erreicht als durch den klassischen Gottesdienst“, so Lückhoff.

Große Bedeutung misst der Dekan dem interreligiösen Dialog bei. Gemeinsam mit der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hanau und dem Islamischen Verein Hanau veranstaltet der Kirchenkreis die Online-Teestunde „Baklava und Plätzchen“, bei der sich die Mitglieder der Gemeinden über ganz unterschiedliche Themen austauschen. Das Onlineformat sei dabei äußert hilfreich, da die Hemmschwelle sich aktiv zu beteiligen, sehr niedrig sei. „Jeder kann aus seinem eigenen Wohnzimmer mitmachen und muss nicht fürchten, sich in der Moschee oder Kirche falsch zu verhalten. Das hilft, um Berührungsängste abzubauen und sich besser kennenzulernen“, urteilt der Dekan. Er würde auch gerne die „Tafel der Toleranz“ wiederbeleben. Eine Aktion, bei der in Hanau Festbänke vom Altstädter Markt bis zum Schlossplatz aufgestellt wurden, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei selbst zubereiteten Spezialitäten ungezwungen miteinander ins Gespräch kommen können. „Solche Formate sind wichtig, damit unsere Gemeinschaft funktionieren kann“, betonte auch Max Schad. Er bedankte sich für die Einblicke in die wichtige und vielfältige Arbeit des Dekans, aber auch für den Einsatz der Kirchen vor Ort. Manches werde von der Öffentlichkeit nicht ausreichend gewürdigt; die evangelische Kirche habe eine wichtige stabilisierende Funktion für die Region.

 

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